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Sonderausstellung „Gesichter der Arbeit“: Viel zu schade fürs Depot!

| Kultur

Vieles erschien nach der „Wende“ nicht mehr würdig gezeigt zu werden, landete für Jahrzehnte im Depot: „Und da ging es den Werken noch besser als anderen, die gleich auf den Müll flogen“, beschrieb Anja Hirschberg den Werdegang der „Ostkunst“ nach 1990. Betroffen davon waren auch zahlreiche Gemälde und Grafiken, die während der sozialistischen Epoche im Stahl- und Walzwerk Riesa entstanden. Leiterin Anja Hirschberg und ihren Mitarbeiterinnen im Stadtmuseum ist es zu danken, dass eine sehenswerte Auswahl dieser Werke, ergänzt um Leihgaben von Unternehmen, anderen Museen oder Privatpersonen, in der Ausstellung „Gesichter der Arbeit“ zu sehen ist. Zur Vernissage war der Zuspruch groß, der Schau (bis 29. März 2026) ist ein reger Besuch zu wünschen.

Über Stil und Können in der Kunst kann man wie immer trefflich streiten, auch hier wird nicht alles den Geschmack eines jeden treffen. Sogar mancher Künstler gab im gesetzten Alter an, dieses oder jenes Frühwerk nicht mehr für so bedeutend zu halten. Das Museumsteam und die Kunsthistorikerin Dr. Anke Fröhlich-Schauseil entwickelten da keine Berührungsängste – das Resultat ist so vielseitig wie die Herangehensweise der Künstler, die sich mit der Faszination der Stahlherstellung und vor allem den arbeitenden Menschen auseinandersetzten. „Hier verbindet sich Heimat- und Industriegeschichte mit der Sicht der Künstler auf die Arbeitswelt und die Menschen, und das keineswegs nur im sozialistischen Auftrag“, so Hirschberg.

„Die Techniken und die Motivwahl sind ganz verschieden, einiges erinnert sogar an Elemente von Altären“, erläuterte Dr. Fröhlich-Schauseil. „Es ist ein Spiegelbild der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.“ Gerade in den Werken aus der DDR-Zeit mit ihren kulturpolitischen Vorgaben zeige sich, dass die Kunst dennoch frei bleibt, und es den Künstlern – auch mit versteckten Botschaften – gelungen sei, ihre Intentionen allen Beschränkungen zum Trotz umzusetzen. Durch Fotos stellt das Museum in einer „zweiten Ebene“ erläuternde Bezüge zu Produktionsprozessen her, die natürlich nicht jeder im Detail kennt und erkennt.

„Besonders beeindruckend empfinde ich die Porträts, in denen wir den Stolz auf ihre Arbeit und das Vertrauen in das eigene Können erkennen“, so Oberbürgermeister Marco Müller, der die nach wie vor große Identifikation der Riesaer mit „ihrem“ Stahlwerk auch in heutiger Zeit betonte. Deshalb ist auch Feralpi als Leihgeber vertreten. „Wir möchten unseren Beitrag auch in der Förderung von Kultur und Kunst leisten“, sagte General Manager Uwe Reinecke.

In schöner Tradition bietet das Stadtmuseum auch ein Begleitprogramm zur Ausstellung an, das für verschiedene Generationen gedacht ist und ihnen die Beziehung von Kunst und Arbeit näherbringt: Dazu gehören die „Putzfrauenführung“ für Erwachsene (Gruppen ab 5 Leute), „Wo Hammer tanzen und Funken fliegen“ für Kindergärten und Grundschulen sowie  „Kunst zwischen Lärm und Arbeit“ für ältere Schüler. Informationen gibt es unter Tel. 659300, Mail info@stadtmuseum-riesa.de und im Museum selbst.