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Rollstuhlwanderung weckte viele Erinnerungen

| Leben in Riesa

Runde Sache für mehrere Generationen – das Altersspektrum reichte von 10 bis 99

Die Stadtverwaltung hatte eingeladen, und über 30 rollende Gäste kamen: Oberbürgermeister Marco Müller begrüßte am vergangenen Samstag vor dem Rathaus eine überaus beeindruckende Menge an Rollstuhlfahrern und schiebenden Begleitern samt Spaziergängern, die sich zu Riesas traditioneller Rollstuhlwanderung durch die Innenstadt aufmachten. 

Die älteste Teilnehmerin war 99, die jüngste als Helferin die 10jährige Lilly Sophie. Und schließlich war sogar noch eine ganze Fußballmannschaft mit am Start: Die jungen Männer der SG Kreinitz unterstützten den Pflegedienst Provitus, damit möglichst viele Senioren mitkommen konnten. Was für ein wunderbares Beispiel für das Miteinander von Generationen!

Längs der Riesaer Hauptstraße ließ Ramona Geißler als Stadtführerin alte Zeiten aufleben, beschrieb Häuser und ihre Besitzer, erwähnte Läden und Gaststätten, die vielen der rollenden Wanderer noch geläufig waren: das Bekleidungshaus Sack, die „SpoWa“ oder das HO-Geschäft „Haus des Stoffes“. Die Gaststätten „Fuchsbau“, das „Stadt Leipzig“ oder das Tagescafé in der Hauptstraße 20. „Vor diesem Café stand ich 1949 als 14jährige und suchte mein Taschengeld zusammen“, schilderte die Riesaerin Sylvia Böhmer. „Für 90 Pfennige gab`s hier immer Milchbrötchen zu kaufen.“ 

Manch neugieriges Fenster öffnete sich während der ungewöhnlichen Stadtführung, und so konnten allerlei „Zaungäste“ entlang der Hauptstraße gut mithören, was sich dereinst in ihrem Haus so abgespielt hat. 

Vom Mannheimer Platz aus führte die Wanderung entlang der Elbe schließlich bis zum Kanuheim des SC Riesa. So manches „Weißt du noch…?“ machte unterwegs die Runde, und nach Kaffee und Kuchen  fanden manche sogar noch die Kraft, ein Liedchen miteinander anzustimmen: „Heut ist ein wunderschöner Tag“…

Vielen Dank an unsere Unterstützer: Frau Geißler unserer Stadtführerin vom Museum, Frau Hänchen vom SC Riesa, Frau Funke und Freundinnen für die musikalische Begleitung!

Bleibt zu wünschen übrig, dass sich Riesa diese wunderbare Geste der Würdigung älterer Mitbürger auch in den kommenden Jahren nicht nehmen lässt.

Verfasser: K.Schanze