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Muttis zweite Schicht - Sonderausstellung im Museum

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Als West-Berlinerin kam Johanna von Koczian nie in den Genuss eines Haushaltstages, denn der war den weiblichen Werktägigen in der DDR vorbehalten. Koczians legendärer Schlager „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann“ wurde am zweiten Maisonntag dennoch Teil der Eröffnung der Sonderausstellung „Alles im Eimer – ein Haushaltstag erzählt“ im Riesaer Stadtmuseum. 

Der Konzertchor ließ „das bisschen Haushalt“ musikalisch hochleben, brachte zur Begeisterung der Gäste im vollbesetzten Werth-Saal auch Klassiker wie „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“ zu Gehör. Museumsleiterin Anja Hirschberg musste derweil richtig arbeiten, nämlich bügeln, während Marie Fischer ihr und dem Publikum die Lehrsätze sozialistischer Frauenpolitik um die Ohren warf.

„Alles im Eimer“ bringt natürlich viel Nostalgie und den berühmten „Gugge ma, das hatten mir ooch“-Effekt – zeigt aber erneut auch den präzisen Blick der Ausstellungsgestalter auf die Mühen, die die Hausarbeit samt Kindererziehung für die meist in Vollzeit arbeitenden Frauen mit sich brachte. Trotz Gleichberechtigung leisteten sie knapp drei Viertel des Aufwands in der heimischen „zweiten Schicht“. Immerhin halfen technische Erleichterungen wie Foron-Waschmaschinen, der Multiboy oder das unkaputtbare Rührgerät RG 28, das mancherorts heute noch genutzt wird.

Konzertchor und Museumsleiterin kamen übrigens stilecht in Kittelschürzen, die eine Woche später eine ganz wichtige Rolle spielten. Zum Museumstag verlor Oberbürgermeister Marco Müller seine Wette, es kämen keine hundert Leute im guten alten Dederon-Utensil, fast wie erwartet haushoch. 284 Kittelschürzenträger und -innen waren anwesend. Jetzt bäckt Marco Müller gleich zwei Mal Waffeln im Museum, erstmals am Donnerstag, 28. Mai, ab 15 Uhr. Für drei Euro darf man sich das Backwerk munden lassen.